MarketTracerStory des Tages
04.11.2026
Der Kapazitätsmarkt startet — und es gibt nur eine Technologie

Deutschlands erste Langzeitkapazitäts-Auktion vergibt 5.160 rMW — an elf Gaskraftwerke, null Speicher

Die Bundesnetzagentur hat am 3. November 2026 die Ergebnisse der ersten Ausschreibung für Langzeitkapazitäten nach dem StromVKG veröffentlicht. Elf Gebote erhielten Zuschläge über rund 5.160 rMW — bei einem mengengewichteten Zuschlagswert von 155.296 €/rMW·a, deutlich unter dem Höchstwert von 244.000 €. Die Auktion war mit 41 Geboten über 11.958 rMW mehr als doppelt überzeichnet — zugeschlagen wurde fast ausschließlich an RWE und LEAG, kein einziger Batteriespeicher kam zum Zug.
5.160 rMW
bezuschlagte reduzierte Leistung
Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert liegt mit 155.296 Euro je rMW pro Jahr deutlich unter dem Höchstpreis von 244.000 Euro. — BNetzA, Pressemitteilung 03.11.2026
Volumen
Überzeichnet, aufgerundet
4.500 rMW waren ausgeschrieben, 41 Gebote über 11.958 rMW gingen ein — das erste volumenüberschreitende Gebot wurde noch bezuschlagt, daher 5.160 rMW.
BNetzA, Gebotstermin 08.09.2026
Gewinner
RWE und LEAG dominieren
Neue Gas-Kapazitäten entstehen bis spätestens 2031 in NRW, Brandenburg, Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg — Inbetriebnahmen ab September/Oktober 2031.
dpa/FAZ, 03.11.2026
Kosten
~800 Mio. € pro Jahr
Aus den Zuschlägen resultieren Kapazitätszahlungen von rund 800 Mio. €/Jahr, über 15 Jahre rund 12 Mrd. € — finanziert über eine neue Umlage der Stromkunden.
bne / Wirtschaft+Industrie
Technologie
Elf Gaskraftwerke, null Batterien
Kritiker monieren, moderne Batteriespeicher seien faktisch ausgeschlossen gewesen — die versprochene Technologieoffenheit bleibe aus.
Greenpeace, BUND, 03.11.2026
Beihilferecht
EU-Risiko bleibt
15-jährige Verträge für fossile Gaskraftwerke werfen weiter Fragen zur Vereinbarkeit mit den EU-Klima-/Energiebeihilfeleitlinien (KUEBLL) auf.
ClientEarth-Stellungnahme
Nächster Schritt
Zweiter Gebotstermin am 10.11.
Die Bekanntmachung der zweiten Ausschreibungsrunde für Langzeitkapazitäten erfolgt am 10. November 2026.
BNetzA
▼ Risiko
12 Mrd. € über 15 Jahre via neue Umlage, fossiler Lock-in bis mind. 2046 und ungelöstes EU-Beihilferisiko belasten Stromkunden und Planungssicherheit.
▲ Chance
5,16 GW gesicherte Leistung für Dunkelflauten, deutlicher Preisabstand zum Höchstwert und starke Überzeichnung signalisieren einen funktionierenden Kapazitätsmechanismus.
Was zu tun istDirektvermarkter, Speicherentwickler und Trading-Heads sollten die Technologie-Schieflage der ersten Runde prüfen und ihre Gebotsstrategie für den zweiten Termin am 10.11. sowie die künftige Speicher-Teilnahme neu kalibrieren.
155.296 €
Zuschlagswert je rMW·a (Ø)
244.000 €
Höchstwert je rMW·a
11.958 rMW
Gebotsvolumen (41 Gebote)
~12 Mrd. €
Kapazitätszahlungen über 15 J.
Quellen