MarketTracerStory des Tages
02.11.2026
Der doppelte Preisschock, der von zwei Seiten kommt

Erste Heizsaison-Dunkelflaute treibt den Strompreis von 13 auf über 300 €/MWh – während Gas erstmals seit 2022 die 100-Euro-Marke reißt

Binnen weniger Tage vervielfachte sich der deutsche Day-Ahead-Großhandelspreis von rund 13 auf mehr als 300 €/MWh, in Abendstunden des 29. Oktober über 500 €/MWh. Auslöser ist die erste längere Dunkelflaute der Heizsaison – Wind und Solar deckten am 29.10. nur 3,7 % des Bedarfs. Verstärkt wird der Effekt durch den TTF-Gaspreis, der am 28.10. erstmals seit 2022 über 100 €/MWh stieg und so die preissetzenden Gaskraftwerke teuer macht.
>300 €/MWh
Day-Ahead-Spitze statt ~13 €/MWh
Der deutsche Großhandelspreis für Strom ist innerhalb weniger Tage von 13 auf mehr als 300 Euro je Megawattstunde gestiegen (Bloomberg/EPEX Spot).
Angebotsseite
Dunkelflaute: 3,7 % aus Wind und Solar
Am 29.10. lieferten Erneuerbare nur 3,7 % des Bedarfs; Braunkohle (Ø 12,8 GW) und Gas (Ø 11,9 GW) füllten über 48 h die Lücke.
29.10.2026
Kostenseite
Gas setzt den Preis – und Gas ist teuer
Der TTF-Frontmonat überschritt am 28.10. erstmals seit 2022 die 100-€/MWh-Marke; als Grenzkraftwerk hebt Gas damit den gesamten Strompreis.
TTF, 28.10.2026
Hintergrund
Iran-Krieg plus leere Speicher
Gestörte LNG-Ströme durch die Straße von Hormus und besonders niedrige deutsche Gasspeicher vor dem Winter treiben den Gaspreis.
Trending Topics / t-online
Merit-Order
Fossiler Grenzpreis schlägt voll durch
Fehlt Erneuerbaren-Einspeisung, setzen Gas- und Steinkohleblöcke den Börsenpreis – deren Brennstoffkosten gehen 1:1 in den Spotpreis.
EPEX Day-Ahead
Reserve
9,8 GW Reserve – aber nicht am Markt
Laut tagesschau standen ~9,8 GW Gas-/Steinkohle-Reserve bereit; springen sie an, werden ihre Kosten zusätzlich auf den Börsenpreis aufgeschlagen.
tagesschau.de
Exposure
Dynamische Tarife und ungesicherte Fonds
Haushalte mit dynamischen Tarifen und Wind-/Solarfonds ohne Festpreis-PPA tragen das Preisrisiko unmittelbar.
Cash-Online
▼ Risiko
Hält der Gaspreis über 100 €/MWh und bleibt die Flaute, verteuern sich Spotbeschaffung, Ausgleichsenergie und dynamische Tarife – bei zugleich leeren Gasspeichern vor dem Winter.
▲ Chance
Flexible Assets – Batteriespeicher, abschaltbare Lasten, Gaspeaker mit Festpreis-Brennstoff – verdienen in solchen Preisspitzen überdurchschnittlich; Festpreis-PPAs schützen Erzeuger vor dem Downside.
Was zu tun istTrading- und Beschaffungs-Heads sollten Spot-Exposure und dynamische Tarifportfolios jetzt gegen anhaltend hohe Gaspreise absichern; die Kombination aus Dunkelflaute und Iran-getriebenem Gaspreis kann sich laut Prognosen bis in die Folgewoche fortsetzen.
3,7 %
Anteil Wind+Solar am Bedarf (29.10.)
>500 €/MWh
Day-Ahead-Spitze, Abend 29.10.
100 €/MWh
TTF-Gas erstmals seit 2022 (28.10.)
9,8 GW
verfügbare Reserveleistung
Quellen