MarketTracerStory des Tages
27.09.2026
Brüssel zieht die Notbremse — sechs Wochen vor der Heizperiode
EU-Energiekommissar bittet um Nachfragedrosselung — Deutschlands Gasspeicher nur 57 % voll und so leer wie nie zuvor
EU-Energiekommissar Dan Jørgensen hat die Energieminister der Mitgliedstaaten in einem Brief (25./26.9.) vor einer Energiepreis-Krise gewarnt und darum gebeten, Maßnahmen zur Drosselung von Gas- und Stromnachfrage zu prüfen. Auslöser: Der Golf-/Nahost-Konflikt treibt die Großhandelspreise, während Deutschlands Gasspeicher zum Start der Heizperiode auf einem historischen Tiefstand liegen. Anfang September waren es rund 53 %, am 24.9. rund 57 % — ein Jahr zuvor waren es Mitte September noch etwa 76 %.
57 %
Speicherfüllstand DE, Stand 24.09.2026 (Vorjahr: ~76 %)
„I invite you to consider taking or continuing to take measures that can sustain injections or reduce gas and electricity demand for as long as necessary.“ — Dan Jørgensen, Brief an die EU-Energieminister
Die Ausgangslage
Speicher
Historischer Tiefstand
Mit ~57 % zum 24.9. fehlen rund 27 Prozentpunkte gegenüber dem Mittel 2017–2021; laut Speicherverband der niedrigste Stand zu dieser Jahreszeit seit Aufzeichnungsbeginn.
Preistreiber
Golf-Konflikt & LNG-Risiko
Der seit Monaten anhaltende Nahost-/Golf-Konflikt hält die TTF-Preise hoch und volatil — weit über dem Jahresbeginn-Niveau von rund 30 €/MWh.
Brüssel
Appell statt Pflicht
Jørgensen bittet die Mitgliedstaaten, Einspeicherung zu stützen und Nachfrage zu senken — vorerst freiwillig, nicht als verbindliche Sparquote.
Was das für die Branche heißt
Beschaffung
Winter-Hedging unter Druck
Niedrige Speicher plus geopolitischer Risikoaufschlag erhöhen das Preisrisiko für Stadtwerke und Industrie in der kalten Beschaffungsphase.
Regulatorik
Speicherziel kaum erreichbar
Ein Füllstand über 70 % vor der Heizperiode gilt als kaum noch erreichbar — die Debatte um flexible EU-Speicherziele gewinnt an Schärfe.
▼ Risiko: Kalter Winter
Bei anhaltendem Konflikt und früher Kälte drohen weitere Preisspitzen und eine angespannte Versorgungslage — mit direkter Wirkung auf Gaskraftwerks-Dispatch und Strompreise.
▲ Chance: Entspannung möglich
Löst sich der Golf-Konflikt, könnten die Preise laut Marktbeobachtern ähnlich schnell zurückgehen wie zu Jahresbeginn Richtung ~30 €/MWh.
Was zu tun istBeschaffungs- und Risikoverantwortliche sollten Winter-Hedges und Portfolio-Exposure jetzt gegen ein Szenario anhaltend hoher, volatiler Gaspreise stresstesten und mögliche EU-/nationale Nachfrage-Maßnahmen frühzeitig in die Planung einpreisen.
~57 %
Gasspeicher DE, 24.09.2026
~27 Pp
unter Mittel 2017–2021
~76 %
Füllstand Vorjahr (Mitte Sep.)
>70 %
Zielmarke vor Heizperiode (kaum erreichbar)
Quellen
- Reuters (via EnergyNow/Al Arabiya) — Jørgensen-Brief an EU-Energieminister, 25.09.2026
- NDR – Gasspeicher-Füllstände — Stand 24.09.2026: ~57 %, ~27 Pp unter Mittel 2017–2021
- ZFK – Speicherziele / Preisrisiken — Füllstand ~53 %, Golf-Konflikt im 7. Monat
- Euronews — Gasspeicher so leer wie nie; Preisniveau-Vergleich ~30 €/MWh