MarketTracerStory des Tages
07.07.2026
Der Kapazitätsmarkt kommt — mit fossilem Beigeschmack und EU-Vorbehalt

Bundestag stimmt am 9. Juli über das StromVKG ab — 11 Gigawatt neue Kapazität, erste Ausschreibung bis Ende 2027

Der Bundestag beschließt am Donnerstag, 9. Juli 2026, in 2./3. Lesung das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) — Deutschlands neuen Kapazitätsmarkt. Noch in diesem Jahr sollen Ausschreibungen für 11 GW steuerbare Leistung starten, davon 9 GW mit Langzeitkriterium (10 h Volllast), das faktisch auf H2-ready-Gaskraftwerke hinausläuft. Die entscheidende beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission steht noch aus.
11 GW
Ausschreibungsvolumen, Start noch 2026
„Noch in diesem Jahr sollen Ausschreibungen für insgesamt 11 Gigawatt zusätzliche Kapazitäten beginnen.“ — BMWE zum Gesetzentwurf
Volumen
11 GW, davon 9 GW Langzeit
9 der 11 GW müssen mind. 10 h ununterbrochen Volllast liefern — de facto Gaskraftwerke; Bieter wählen 1, 7 oder 15 Jahre Verpflichtung.
§ StromVKG · BMWE
Fristen
Erster Gebotstermin bis 31.12.2027
Erste Ausschreibung spätestens Ende 2027, weitere Runden zwischen 2032 und 2035; Zuschlag über niedrigste Jahresvergütung.
Gebotstermine lt. Entwurf
Zweck
Kohleausstieg bis 2038 absichern
Die neuen steuerbaren Kapazitäten sollen die schwankende Erneuerbaren-Erzeugung flankieren und den gesetzlichen Kohleausstieg bis spätestens 2038 absichern.
BT-Drs. 21/6563
Beihilferecht
EU-Genehmigung fehlt noch
Wesentliche Vorschriften stehen unter beihilferechtlichem Vorbehalt — Verbände fordern die EU-Freigabe vor Ausschreibungsstart, um Risikoaufschläge zu vermeiden.
BDEW / bne
Wettbewerb
Kartellamt warnt vor Marktmacht
VKU und Bundeskartellamt mahnen Volumengrenzen an; hohe Sicherheitsleistungen und technische Hürden benachteiligen Stadtwerke gegenüber großen Konzernen.
VKU-Stellungnahme
▼ Risiko: Fossiler Lock-in & Umlagekosten
Grüne warnen vor teurem fossilem Lock-in; Kapazitätsvergütung wird über eine Umlage finanziert — ohne EU-Freigabe drohen Verzögerung und Finanzierungsaufschläge.
▲ Chance: Investitionssicherheit
15-Jahres-Verträge schaffen erstmals einen kalkulierbaren Rahmen für Kraftwerks-, Speicher- und Flexibilitätsinvestitionen — Voraussetzung für den Kohleersatz.
Was zu tun istWer neue Gaskraftwerke, Langzeitspeicher oder Flexibilitäten plant, sollte die Gebotsbedingungen und Sicherheitsleistungen jetzt gegen den Zeitplan (erster Termin bis 31.12.2027) prüfen — und das Beihilferisiko in die Kalkulation einpreisen.
9. Juli 2026
2./3. Lesung Bundestag
11 GW
Gesamtvolumen erste Runde
9 GW
Langzeit (10 h Volllast)
31.12.2027
erster Gebotstermin
2038
abzusichernder Kohleausstieg
Quellen