MarketTracerStory des Tages
29.06.2026
Die Hitzeflaute — das Sommer-Gegenstück zur Dunkelflaute
Strom für 747 €/MWh im Hochsommer — der Markt sendet ein Frühwarnsignal
Die Hitzewelle hat die deutschen Day-Ahead-Preise Ende Juni kurzzeitig auf bis zu 747 €/MWh getrieben — paradoxerweise mitten in der sonnenreichsten Phase des Jahres. Grund ist die Hitzeflaute: Abends bricht der Solarertrag weg, während Kühllast und Klimaanlagen die Nachfrage hochhalten und kaum Wind weht. Der Branchenverband bne wertet die Spitzen als Symptom eines strukturellen Flexibilitätsdefizits und fordert sieben Sofortmaßnahmen.
747 €/MWh
Day-Ahead-Peak Deutschland, Juni 2026
Seit dem 18. Juni wurden 39 Viertelstunden mit Börsenpreisen über 300 €/MWh registriert, der Höchstwert lag bei 747 €/MWh. (bne, 26.06.2026)
Die Mechanik der Hitzeflaute
Angebot
Solar bricht am Abend weg
Mit Sonnenuntergang fällt die PV-Einspeisung, während kaum Wind nachliefert — die Residuallast springt hoch.
Nachfrage
Kühllast bleibt hoch
Klimaanlagen und Ventilatoren in Haushalten, Gewerbe und Industrie halten die Last bis in den späten Abend oben.
Puffer fehlt
Zu wenig Speicher
Ohne ausreichende Batterie- und Lastflexibilität müssen teure Gaskraftwerke ihre Anfahrkosten auf wenige Stunden umlegen.
Marktbild & Reaktion
Europa
Nachbarn noch teurer
Belgien erreichte in der Spitze 1.038 €/MWh, die Niederlande 902 €/MWh, Dänemark 787 €/MWh — Importpuffer schrumpfen zeitgleich.
Forderung
bne: sieben Sofortmaßnahmen
Kern sind nutzbare dynamische Netzentgelte (§ 14a EnWG, Modul 3), flächendeckende dynamische Tarife und Speicheranreize.
Politik
Hebel AgNes
Die Netzentgeltreform AgNes der BNetzA — Entwurf im Sommer 2026 — soll dynamische, digitalisierte Netzentgelte verankern.
Was zu tun istBeschaffer und Direktvermarkter sollten Abendspitzen im Sommer als wiederkehrendes Preisregime einpreisen; Speicher-, Lastflexibilitäts- und § 14a-Strategien gewinnen kurzfristig an Wert — und die AgNes-Konsultation wird zum entscheidenden Hebel.
747 €/MWh
DE-Peak Day-Ahead
39
Viertelstunden >300 €/MWh seit 18.06.
1.038 €/MWh
Belgien, Spitze
7
bne-Sofortmaßnahmen gefordert
Quellen
- Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) — PM 'Hitzeflaute in Europa und Netzkrise', 26.06.2026
- FAZ — 'Hohe Strompreise: Jetzt kommt die Hitzeflaute', 747 €/MWh bestätigt
- pv magazine Deutschland — 'Was gegen die Hitzeflaute in Europa hilft', 26.06.2026
- NZZ — 'Neues Phänomen Hitzeflaute', über 700 €/MWh DE bestätigt